Rooswiese Fussballplatz

Die grosse Wiese im „Roos“ ist eng verbunden mit der Geschichte des Fussballclubs Regensdorf. Fast ein halbes Jahrhundert lang war sie für ihn „Heimstadion“ und Trainingsplatz aber auch Spiel- und Festplatz für die Bevölkerung.

In den 50er Jahren trug der Fussballclub Regensdorf (gegründet 1937) seine Spiele auf dem „Platz Hofwiesen“ aus. Dieser lag ungefähr dort, wo heute in der Zentrumsüberbauung die Post steht, und gehörte der Politischen Gemeinde Regensdorf, die das Gelände an den damaligen Pächter des Restaurants „Alte Post“ verpachtet hatte. Dieser verpachtete den Platz für einen Jahreszins von Fr. 200.- an den Fussballclub weiter. An diesen Zins steuerte die Primarschulpflege Fr. 100.- bei, womit sie das Recht erwarb, den Platz auch für die Schuljugend zu nutzen. Als Umkleideräume wurden lange Zeit der „Hirschen“, ab 1956, nach dem Bau des Schulhauses Ruggenacher, dessen Garderobenräume benützt, wo auch die Spielwiese als Trainingsplatz genutzt werden konnte.

Ungenügende Verhältnisse

Der Platz wies schwerwiegende Mängel auf. Er war kaum mehr als eine holprige, abschüssige Wiese. Der Boden  - Lehmboden mit dünner Humusschicht – war ungeeignet.

1958 stieg der FC Regensdorf in die 3. Liga auf. Der Gemeinderat kommentierte den Wunsch des FCR in einem Brief wohlwollend: „Der Notwendigkeit, einen anderen, besseren Sportplatz bereitzustellen, verschliessen wir uns nicht, und wir sind grundsätzlich bereit, eine Lösung  zu finden.“ Ein Jahr später kommt der Vorstand des FCR auf dieses Angebot zurück und klagt, da keine solche Lösung in Sicht zu sein scheint, in einem Schreiben an den Gemeinderat, der Sportplatz „Hofwiesen“ habe mit einem Fussballplatz nicht mehr viel gemein. „Schon bei geringen Niederschlägen ist er fast unspielbar. ... bergen die starken Unebenheiten eine grosse Verletzungsgefahr. ... der Platz zählt zu den schlechtesten in der Region Zürich. ... Wir wünschen nicht ein Stadion, sondern lediglich einen ebenen Platz mit guter Beschaffenheit.“

Gegen Ende Jahr teilt dann aber die Behörde in einem Brief Hans Gassmann, dem damaligen Präsidenten des FCR mit, dass er keinen Platz gefunden habe. „Nachdem alle andern Möglichkeiten ausgeschöpft scheinen und Sie sich damit abfinden müssen, während einiger weiterer Jahre auf dem bisherigen Platz zu spielen ...“

Immerhin entband sie den Verein vom Pachtzins, gewährte zudem eine Platzerweiterung um 10 Meter und Fr. 500.- für Verbesserungsarbeiten. Mit eigenen Mitteln mühten sich die Mitglieder des FCR in der Folge ab, den Platz einigermassen spielbar zu halten. Manchmal  musste man sich von einem Bauunternehmer eine Pumpe ausleihen, um den Platz zu trocknen, ab und zu erhielten sie vom benachbarten Hof von Eugen Eichmann Heublumen, die auf den sumpfigen Platz ausgestreut wurden , damit sie etwas Wasser aufsogen.

Planung einer Sportanlage

An der Gemeindeversammlung  vom 22. Juni 1959 wurde eine Motion von Alfred Duttweiler und Dani Kunz überwiesen, die zur Bildung einer gemeinderätlichen Kommission führte, welche die Erstellung einer Schwimmbad- und Sportanlage studieren sollte. Einer solchen Anlage könnte eventuell auch ein Fussballplatz angegliedert werden, hiess es. Die Schwimmbadprojekte standen aber eindeutig im Vordergrund; das zeigt auch die Tatsache, dass der FCR in der Kommission zunächst gar nicht vertreten war. Erst nach den Gemeindewahlen von 1962 wurde mit Walter Kägi, seit 1961 Präsident des FCR und unermüdlicher Kämpfer für einen neuen Fussballplatz, ein Vertreter des FCR als zusätzliches Mitglied in diese „Schwimmbad- und Sportplatzkommission“ gewählt.

Am 22. Dezember 1960 entschied die Gemeindeversammlung, im „Bösch“, an der Altburgstrasse eine Sport- und Schwimmbadanlage zu planen und stimmte dem Projektierungskredit von 20'000 Franken zu.

„Kaum für einen Sportanlass geeignet“

Im Sommer 1961 war es dann soweit, dass der Platz in so einem schlechten Zustand war, dass Verbesserungen unumgänglich wurden. Der Versuch, ihn mit frischem Humus aufzuschütten und neu anzusäen, scheiterte und schliesslich wurde der Platz als einzig mögliche Lösung weiter südwärts verlegt. Der Fussballverband nahm den Platz provisorisch ab, schrieb aber in seinem Inspektionsbericht:“ ... Nur 1m von der Cornerecke befindet sich ein hölzerner Mast der Kraftwerke. ... ein Sturz eines Spielers kopfvoran könnte die schlimmsten Folgen nach sich ziehen. ... Dieser provisorische Sportplatz befindet sich im reinen Naturwiesland, ist teilweise etwas uneben, gegen Norden leicht abfallend, etwas hügelig.“ Ein Sanierungsvorschlag des FCR für einen Betrag von Fr. 4'000.- wurde abgelehnt. In einem Brief an den Fussballverband bestätigt der Gemeinderat, dass er sich mit der Planung eines Sportzentrums mit Fussballplatz befasse und darum „ ... für den bestehenden Platz keine finanziellen Aufwendungen mehr gemacht werden. Das Areal ist deshalb in schlechtem Zustand und insbesondere nach akutem Regen- und Schneefall kaum für einen Sportanlass geeignet. Um eventuell daraus entstehenden Forderungen vorzubeugen, sieht sich die Gemeinde gezwungen, den Platz bei schlechtem Zustand zu sperren. ...“

Die Enttäuschung über die ständigen Aufschübe und Vertröstungen war gross. Walter Kägi schrieb im Oktober 1960 in einem Leserbrief im Mitteilungsblatt :“ ... Wir begreifen, dass die Behörde durch grössere Probleme und ... Aufgaben sehr in Anspruch genommen ist. Wir sind aber trotzdem der Auffassung, dass sie sich ganz allgemein den Wünschen und Interessen der Einwohner gegenüber interessierter und aufgeschlossener zeigen dürfte. ...“ und ein Jahr später in einem Brief an den Gemeinderat:“... Unsere Gastmannschaften schütteln über unsere Verhältnisse den Kopf und können es nicht verstehen, dass es einer aufstrebenden Gemeinde wie Regensdorf nach Jahren nicht möglich sein soll, bessere Möglichkeiten zu schaffen. ...“ Man gab aber nicht auf. Walter Kägi:“ Wir mussten dran bleiben wenn sich etwas ändern sollte, denn der Fussball hatte damals in Regensdorf gegenüber dem Turn- und dem Musikverein einen geringeren Stellenwert.“

Die Lösung im „Roos“

Der neue Gemeindepräsident, Alfred Schärer, zeigte viel Verständnis für die Anliegen des Fussballclubs. Im Sommer 1962 wurde dann endlich eine Lösung gefunden, unabhängig vom Bau der Sportanlage, der immer wieder in weite Ferne rückte. Am 27. August 1962 genehmigte die Gemeindeversammlung das „Projekt über den Bau eines Fussballfeldes auf dem Grundstück von E. Denzler, Kat. Nr. 806, in der hinteren Roos in Regensdorf, und Bewilligung eines Kredites von Fr. 35'000.-“ Die Gartenbaufirma Hugo Richard baute einen einfachen, aber für damalige Verhältnisse schönen Platz mit einer einfachen Drainage und ohne Beleuchtung als Übergangslösung bis zur Erstellung einer Sportanlage. Als Garderobenräume stellte die Primarschule ihre Anlagen im Schulhaus „Chrüzächer“ zur Verfügung, ebenso ihre dortige Spielwiese als Trainingsplatz.

Am 17./18. August 1963 wurde mit Sport, Spiel und Festwirtschaft der Sportplatz „Roos“ feierlich eingeweiht, das erste Spiels des FCR auf dem neuen Platz gegen den FC Neumünster durch den Ankick des Gemeindepräsidenten eröffnet und die Anlage dem FC Regensdorf übergeben.

Im Laufe der Zeit wurden verschiedene Verbesserungen durch den FCR vorgenommen, u.a. 1968 eine Beleuchtung  für den Trainingsbetrieb erstellt.

Ein Platz für (fast) alle

Die Rooswiese wurde rege benützt, zeitweise auch durch andere Vereine, vor allem aber durch die Regensdorfer Schuljugend, da im Pachtvertrag des FCR festgehalten war, dass sie an schulfreien Nachmittagen darauf spielen durfte. Auch der Nebenplatz gegen Osten, an der Ackerstrasse, mit einfachen Mitteln zurechtgemacht, wurde als „Kinderfussballplatz“ gern benützt.

Viele Grümpelturniere und Schülerfussballturniere mit ihren dazugehörigen Festlichkeiten fanden hier statt. 1966 war die Rooswiese der Hauptplatz am grossen Turnfest des Glatt- und Limmattal-Turnverbandes und ab 1995 nutzte das Rägi-Sportcamp die Wiese als Zentrum ihres Jugendsport-Grossanlasses.

Vor allem aber war dies der Heimplatz des FCR. Unzählige Spiele aller Altersstufen fanden hier statt, die Vereinsgeschichte mit ihren vielen Highlights und Tiefschlägen, der Aufstieg in die 2. Liga in den Achtzigerjahren, das Rauf und Runter in den Ranglisten

1965 drohte dem Platz aber Ungemach. Ernst Zedi und 312 Mitunterzeichnete hatten eine Motion eingereicht, die den Gemeinderat beauftragen wollte, das Land Denzler, auf das die Gemeinde ein Kaufrecht besass, zu erwerben und im Baurecht an eine Baugenossenschaft zu übergeben. Die Gemeindeversammlung lehnte die Motion ab – und das „Provisorium“ im Roos konnte weitergehen.

Mängel des Provisoriums

Der Platz bereitete aber immer wieder Sorgen: Das Terrain neben dem Spielfeld war sehr uneben und im Laufe der Zeit versagte auch das einfache Drainagesystem. Das bedeutete, dass auf dem Platz an einigen Orten das Regenwasser lange liegen blieb. Der Fussballclub versuchte, den Rasen durch fleissiges Düngen und den Boden durch das Ausebnen von Löchern mit Sand in Stand zu halten. Das bedeutete viel Fronarbeit, wozu immer weniger Vereinsmitglieder bereit waren, insbesondere, da sich der Platz dennoch nicht nachhaltig verbessern liess, er nachintensiven Trainingsphasen furchtbar aussah. Immer wieder beschwerten sich auswärtige Mannschaften und drohten, dass sie in Zukunft nicht mehr auf dem Regensdorfer „Acker“ spielen würden. Besonders in der Südwestecke des Areals, wo jeweils am Grümpelturnier das Festzelt stand, blieb das Wasser sehr lange liegen. Heinz Suter, Vice-Präsident des FCR, erinnert sich: „Ich sehe das Bild noch vor mir: An einem Sonntagabend, beim Abschluss des Grümpelturniers, stand das Wasser zehn Zentimeter hoch im Festzelt, Plastik-Mülleimer, Plastikflaschen und anderer Abfall schwammen im ganzen Zelt umher. Ich stellte mir vor, wie das am Samstagabend gewesen wäre, mit 500 Leuten im Zelt ... .“

Allerdings hatte der Platz auch einen kleinen Vorteil für die Heimmannschaft, die ihn genau kannte! Die Spielfeldlinien wurden mit Sägemehl – wenn keins mehr da war auch mit Hobelspänen - in den Rasen gezogen. Mit der Zeit entstand auf den Linien durch das Sägemehl eine leichte Erhöhung. Und auf der Fünferlinie vor dem Tor erwies sich dies als Segen: Fiel der Ball genau auf diese Linie, prallte er dort ab und knallte genau unter die Latte. Heinz Suter:“ Da wir das alle wussten – und der Goalie auch – konnten wir das ausnützen. Wir haben so Tore geschossen – allerdings auch einige erhalten!“

Endlich eine Sportanlage – auch für den Fussballclub

Am 5. Juni 1982 ging das 20-jährige Provisorium zu Ende: Die Sportanlage „Wisacher“ wurde eröffnet. Damit kam Regensdorf nun auch zu einer Fussballanlage, die seiner würdig war und die Spiele des FCR wurden fortan auf diesen Plätzen ausgetragen. Damit hatte aber das „Roos“ noch lange nicht ausgedient. Mit allen Mannschaften des FCR  war die Anlage „Wisacher“ überlastet. Zudem waren diese Plätze wegen schlechtem Wetter oft gesperrt. Darum war man froh, dass die Gemeinde den Platz den Fussballern überliess, obwohl der Pachtvertrag 1985 aufgelöst wurde. So wurde weiterhin fleissig auf dem „Roos“ trainiert, auch eine Mannschaft der Strafanstalt, eine Firmenmannschaft des Jelmoli und viel Hobbysportler spielten zeitweise darauf. Das Grümpelturnier fand weiterhin hier statt, denn im „Wisacher“ gab es dafür keinen Platz.

Adieu „Roos“!

2006 fand das letzte Grümpelturnier auf dem „Roos“ statt, denn am 23. September 2006 wurden die neuen Plätze im „Wisacher“ eröffnet, so dass auch dieser Traditionsanlass seither dort abgehalten werden kann. Damit war die „Liaison“ Rooswiese-Fussballclub nach 43 Jahren beendet!